Konzertecho von Carl Ludwig Hübsch, Februar 2015 

Soundtrips NRW-Konzert im Loft am 04.Februar 2015

In Rachel Musson und Corey Mwambas Musik klingt viel Jazz mit. Die beiden Improvisatoren aus London bzw Derby in England waren zu Gast bei Soundtrips NRW - look inside. Diese Konzertreihe ermöglicht profilierten Improvisatoren, meist aus dem Ausland, eine Tournee durch bis zu 9 Städte in NRW. Hierbei liegt der Fokus einerseits auf der Präsentation gewachsener Ensembles, die eine eigene Klanglichkeit entwickelt haben und zum anderen auf der Begegnung mit profilierten Improvisationsmusikern aus NRW.

Weiterlesen: Spielen als Ziel

Konzertecho von Carl Ludwig Hübsch, Januar 2015 

das INSUB META ORCHESTRA am 23.Januar 2015 im Loft

Gut, dass es das Loft gibt. An diesem Ort bietet sich wie an keinem anderen in Köln die Möglichkeit, die dargebotene Musik auf Tuchfühlung, intim, quasi in Wohnzimmer-Atmosphäre zu erleben, und das bei einem Duo genauso wie bei einem Orchester, bei internationalen wie bei lokalen Ensembles. Am 22. Januar gab es Gelegenheit, das „INSUB META“ Orchester aus Genf zu hören, das 23 Musikerinnen und Musiker aus der Schweiz, aber auch aus Deutschland und Frankreich vereint. In konzeptuellen Stücken zeigte das Ensemble, dass Improvisation nicht im Widerspruch zu Komposition steht, sondern dass eine strikte Vorgabe ein Mittel sein kann, klare Entscheidungen der Musiker zu erzwingen und so einen fein austarierten Ensembleklang zu erzeugen.

Weiterlesen: Starkes Netzwerk unter Strom

Eine Konzertkritik von Carl Ludwig Hübsch, Mai 2014 

Plattform Nicht Dokumentierterer Ereignisse Konzert vom 16. Mai 2014

Selten erlebt man Konzerte, die den ganzen Reichtum der Improvisierten Musik so kompakt aufzeigen. wie das am vergangenen Freitag in der Reihe mit dem seltsamen Namen „Plattform Nicht Dokumentierbarer Ereignisse“. In einem Hinterhofatelier in der Körnerstrasse, zwischen Kunstwerken, Farbensammlungen und Zeichentischen bereitet die Arbeitsatmosphäre der Künstlerin und Hausherrin Ulrike Geitel den Boden für Werkstattkonzerte im besten Sinne des Wortes.

Auf dem Programm standen ein Celloquartett und ein Bläserduo. Das Quartett der Kölner Elisabeth Fügemann und Nathan Bontraeger, sowie der Berliner Nora Krahl und Vincent Hugues, eröffnete den Abend in traumwandlerischem Spiel.

Weiterlesen: Acht Arme - sechzehn Saiten

von Carl Ludwig Hübsch, 2009

Ich sehe den Vorgang der Komposition von Vorgaben wie das Flechten eines Netzes, dessen Knoten Strukturformanten oder auch Kommunikationsschaltstellen sind. Diese stellen ein Raster dar, geben den Rahmen vor - nicht innerhalb dessen, sondern von dem ausgehend - Zwischen-räume gestaltet werden. Zwischen den Knoten, auf den Beziehungsmaschen, entsteht in der Aufführung Spannung. Zum einen im Bezug auf das Gesamtnetz, das sich hier womöglich neu verschaltet, zum zwischen den Akteuren, die das Netz be- und erspielen. Der Abstand zwischen den Knoten entspricht dem Grad der Determination des Netzes.

Weiterlesen: Komposition als Netz(werk)

von Carl Ludwig Hübsch, 2009

Laut Gehirnforschung ist ein Teil des Frontallappens der Grosshirnrinde (Präfrontaler Cortex) besonders aktiv beim Erlernen NEUER Vorgänge, bei denen man sich noch ganz auf die zu erlernende Sache konzentrieren muß, um keine Fehler zu machen. Mit zunehmender Vertrautheit zum Vorgang aber wird dafür eher das Zentralhirn verwendet und man kann während der Ausübung der einen Sache an andere Dinge denken, träumen oder wütend werden.
Sicherlich ist es für Musiker gut, zu üben, dennoch werden rein auf Übung aufgebaute Virtuosenkabinettstücke eher kritisch und als unkünstlerisch abgetan.
Was ist hierfür der Grund?

Weiterlesen: Improvisation, wie klingt das?

von Carl Ludwig Hübsch, 2009

Einige Gedanken

Wenn gute Improvisationsmusiker versuchen, einen Schlager oder etwas ähnlich "profanes" zu spielen, endet das oft bei einer wunderbaren und reichhaltigen Neumontage, die unter Umständen dazu führt, dass das Kuscheltier am Ende zerfetzt, kaputtgeliebt, kaum noch wiederzuerkennen ist.
Die Umkehrung dieses "Verjazzens" ist eine meiner Motivationen, nämlich das Einbringen und Einsetzen des Interpreten, um die Grenzen des Geschriebenen zu strapazieren, es auf Beständigkeit zu prüfen in Kombination mit der Lust daran, einen in der Komposition begonnenen Prozess umzudenken, umzudeuten und weiter, vielleicht ad adsurdum zu treiben. So ist das Werk eigentlich immer erst seiner Aufführung vollendet, es kann ihm bei derselben doch noch so einiges widerfahren.

Weiterlesen: Warum Komposition für improvisierende Musiker?

angestossen durch das Hören der CD Primordial Soup, Januar 2008

Lieber Carl Ludwig,

jetzt habe ich das Zugesandte durchgesehen und Aufnahmen wieder gelauscht...
Es sind einige Überraschungen darin ... vor allem ist viel mehr mit traditionellen Noten geschrieben, als ich glaubte.
Ich stellte mir früher vor, 2271 Hades wäre nur in Umrissen beschrieben (obwohl ich jetzt den Eindruck bekomme, einige koordinierte Stellen und plötzliche Wechsel stimmt vielleicht nicht ganz damit) - so eigentlich auch mit vielem anderen.
Und da könnte ich mich fragen...

Weiterlesen: Gedankenaustausch mit Carl Bergstroem-Nielsen

von Harald Kimmig, 10. August 2007 

Jede Musik ist Augenblicksmusik.
Wenn wir Musik hören ist das in Jetzt-Zeit.
Jetzt entsteht sie und jetzt wird sie gehört.

Das Skript entsteht zu einem anderen Zeitpunkt. Bei einem komponierten Musikstück ist das uns allen klar, wie aber verhält es sich bei Improvisation? Der Musik, die wie keine andere den Augenblick für sich in Anspruch nimmt?
Gibt es da ein Skript? Eine Methode? Eine Matrix?

Eindeutig und klar: ja.

Weiterlesen: Der Musikalische Augenblick

von Carl Ludwig Hübsch, Januar 2003 / Juni 2004 

Improvisation: das Ungeplante (unvorhergesehene, improviso) tun
Komposition: von komponere, zusammensetzen

KOMPOSITION - das Bestimmen des Prinzips
Eine vorgefasste Komposition oder auch eine Konzeptimprovisation gewährleistet dem oder den Ideengebern eine je nach Wunsch und technischen Möglichkeiten des Konzertapparates, der Musikinstrumente, der Musiker, des Komponisten und seiner Hilfsmittel weitgehende Kontrolle des Entstehenden: Indem man VORHER bestimmt, was die Parameter des Stückes, seine Gesetzmässigkeit ausmacht, nimmt man eine Zensur, oder weniger belastend ausgedrückt, eine Fokussierung des enstehenden Werkes vor. Nur durch diese MANIFESTIERUNG ist eine Wiederholbarkeit und ein Vergleichen des Prinzips des Beabsichtigten mit dem Entstandenen, also eine Kontrolle möglich.

Weiterlesen: Improvisation - Komposition

von Ole Schmidt, 12.10.02

Eine Replik auf den Text von Wolfgang Schliemann/Joachim Zoepf auf der Forum-Site von Carl Ludwig Hübsch

Die Autoren schreiben:"Die Notwendigkeit, Improvisierte Musik als eigenständige künstlerische Kategorie zu behaupten, ergibt sich für Praktizierende nahezu zwangsläufig aus der alltäglichen Erfahrung, dass niemand sonst daran ein plausibles Interesse hat"... Mit der gleichen Argumentation kann ich die zwangsläufige Notwendigkeit erklären, z.B. meine tägliche Zahnputzperformance als eigenständige künstlerische Kategorie zu behaupten, denn auch an dieser hat sonst niemand ein plausibles Interesse und was wäre bitte ein "nicht plausibles" Interesse? Da der folgende Text mit sinnlosen Wortkombinationen wie dieser gespickt ist, verzichte ich im Folgenden, jede einzelne zu besprechen. Mag der geneigte Leser sich selbst ein Urteil bilden.

Weiterlesen: Für ein ökologisches Bewusstsein im Umgang mit Klängen und Worten!

Improvisierte Musik als Gattungsbegriff - Ein Kleines Manifest

von Wolfgang Schliemann und Joachim Zoepf, 05.2002

Die Notwendigkeit, Improvisierte Musik als eigenständige künstlerische Kategorie zu behaupten, ergibt sich für Praktizierende nahezu zwangsläufig aus der alltäglichen Erfahrung, dass niemand sonst daran ein plausibles Interesse hat. Zu viele Missverständnisse und absichtsvolle Ungenauigkeiten beherrschen den Diskurs, sofern dieser überhaupt ernsthaft geführt wird. Wenig pragmatisch scheint es daher, eine umfassende, sich gegen alle Anfechtungen absichernde Definition der Improvisierten Musik anzustreben, wo doch die Einführung einer abgrenzenden Bezeichnung viel dringlicher wäre. An einer Definition haben sich bezeichnender Weise schon Viele mit unterschiedlich fragwürdigen und wenig verbindlichen Ergebnissen versucht. Die Sache jedoch so zu benennen, dass man weiss, was damit gemeint ist und auch, was nicht, scheint ein Fettnapf voll heissem Brei zu sein.

Weiterlesen: ars sui generis

von Carl Ludwig Hübsch, 1999

Musik wird besonders dann als angenehm empfunden, wenn sie den Hörerwartungen entspricht.
Mit diesen zu spielen oder sie gar nicht zu berücksichtigen fordert Beobachtung, Wahrnehmung heraus und hiermit erkennendes Hören.

Weiterlesen: Zur Wahrnehmung von Musik

Marcel Proust

Leute von Geschmack sagen uns heute, Renoir sei ein grosser Maler des vorigen Jahrhunderts.
Aber wenn sie das sagen, vergessen sie die Zeit, nämlich wieviel davon sogar noch im gegenwärtigen vergehen sollte, bis Renoir als grosser Künstler gewürdigt worden ist.

Weiterlesen: Die Welt der Guermantes - Auszug

Hans Heinrich Eggebrecht

Schönheit kann man nur verweigern, wo sie zu Gewohnheit geworden ist.
Doch wo sie im Reich der Kunst zur Gewohnheit geworden ist, da muss die verweigert werden.
Gewohnheit bewohnt und ergreift, und sie kann auch das Haus der Kunst so bewohnen, dass sie, Besitz ergreifend, die Zugängeversperrt.
Kunst ist schön, aber sie verachtet die Gewohnheit. Die Musik von Bach und von Mozart, und wie sie alle heissen, ist schön.

Weiterlesen: Schönheit als verweigerte Gewohnheit

Marcel Proust

Aber seit mehr als einem Jahr, nachdem die Liebe zur Musik, die ihm so viele Reichtümer seiner Seele offenbart hatte, wenigstens für einige Zeit in ihm aufgekommen war, hielt Swann die musikalischen Motive für wirkliche Ideen aus einer anderen Welt, einer anderen Ordnung angehörig, von Dunkel eingehüllte, unbekannte, mit den Mitteln des Geistes nicht zugängliche Ideen, die dadurch jedoch nicht weniger voneinander unterschieden waren, ungleich an Bedeutung und Wert.

Weiterlesen: In Swanns Welt - Auszug

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